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2 Anmerkungen
Warum sich Arbeiten für Schüler/Studenten lohnt.
Mein Studium ist nun mehr zwei Jahre rum und so langsam bekomme ich auch von Ex-Kommilitonen mit, welche Abenteuer diese gerade mit ihrer Job-Suche haben. Ich möchte nur soviel dazu sagen, dass ich dieses Abenteuer definitiv nicht erleben möchte und auch - Gott sei Dank - noch nie erleben durfte. Ich habe mir - passend dazu - dann auch mal Gedanken gemacht, warum ich dieses Abenteuer nicht erleben musste und möchte dementsprechend ein paar Ratschläge geben, was ich denke, was den entscheidenden Unterschied ausgemacht hatte, dass es so lief, wie es lief. Ich möchte hinzufügen, dass ich den “traditionellen” Weg der Bewerbung bisher nur ein einziges Mal durchleben musste und alle Jobs danach sich relativ “unförmlich” durch Mails, Empfehlungen und/oder Mittagessen ergaben.
Früh Verantwortung übernehmen
Ich kann mich noch relativ gut erinnern, wie das bei mir lief. Ich war damals gerade 16 geworden, hatte einen PC, war extremer Quaker und gab zu der Zeit jegliches Geld, das mir unter die Hände kam für Magic-Karten und Internet aus. Sinnvoller wäre wohl damals Clearasil und Deo gewesen. Meine Umwelt begann, sich allmählich in Bars zu treffen, am Wochenende “abzuhängen” oder sich mal “ab und zu” ein paar Klamotten zu leisten. Die ersten Handys kamen auf den Markt und mit ihnen die Prepaid-Karten. Das musste man haben. Das färbte ab. Das Geld, das ich hatte, wurde von Verwandten geschnorrt. Einen geringen Teil bekam ich Taschengeld, aber der wurde sofort in die Telefonleitung geballert oder fand seinen Weg in die Kasse des örtlichen “Rollenspielladens”. Meine Eltern signalisierten, dass sie meine “steigenden Bedürfnisse” definitiv nicht bezahlen werden - sie verlangten sonst nichts von mir und ich konnte mich auch damals nicht über mangelnde Geschenke unter dem Jahr beschweren. Wie es halt so in dem Alter ist, artet steigender Geld-Konsum dann oftmals auch in unnötigen Gesprächen mit den Eltern aus. Letztendlich lief es darauf hinaus, dass ich mir einen Nebenjob suchen sollte. Ich war 16. Ich durfte also einen 400 Euro-Job (damals noch D-Mark) ausüben. Das Schicksal wollte es gut mit mir und passend dazu wurde im hiesigen Einkaufszentrum (ca 1km von Schule/Zuhause entfernt) eine Aushilfe in einem Getränkemarkt gesucht.
Ich sage es gleich: Der damalige Chef war ein Tyrann. Aber er war ein guter Tyrann. Ich bekam damals 11 DM/Stunde und musste so ca. 15 Stunden die Woche arbeiten. Als ich das damals meinen Mitschülern erzählte, war die erste Frage, wie ich das neben der Schule machen sollte. Aber es ging. Grundsätzlich war meine Schulzeit eigentlich nur dadurch bestimmt, die Zeit in der Schule rum zu hocken, ab und zu mal sich zu melden und vor einer Klausur etwas mehr zu tun als an den sonstigen Tagen. Und ich behaupte, dass dies heutzutage nicht grundlegend anders ist. Es gab also Tage, an denen hatte ich bis 13 Uhr Schule und dann bin ich von 14 Uhr bis 18 Uhr arbeiten gegangen. Mit 16 Jahren geht man sicherlich noch nicht um 19 Uhr ins Bett. Also hatte man Abends noch genügend Zeit, etwas für sich oder Alibi-mäßig etwas für die Schule zu tun. Aber zurück zur Essenz. Was hat das Ganze denn jetzt damit zu tun, dass es in irgendeiner Weise was für’s spätere Leben bringen sollte?
Ich sag es mal so. Arbeit, die den Intelligenzquotienten beansprucht, sieht sicherlich anders aus, aber durch meinen Tyrannen-Chef wurde mir vieles fürs spätere Leben mitgegeben:
- Pünktlichkeit
Wenn mein damaliger Chef etwas nicht leiden konnte, dann war es Unpünktlichkeit. Ich weiß bis Heute nicht, wie ich das geschafft habe, aber ich war egtl - außer ein Ufo hatte mich für eine Analsonde entführt - immer pünktlich. Ich kam grundsätzlich in der Schule immer fünf Minuten zu spät. Das war aber nicht so bei meinem ersten Job. Das Motto “Wer saufen kann, kann auch arbeiten!” macht definitiv Sinn, wenn man jede Woche Samstag um 9 Uhr anfangen muss. Und man überlegt es sich drei Mal, ob man sich Freitag Abends so die Kante gibt, dass man Morgens nur mit einer Palette Red-Bull wieder fit wird. - Verantwortung
So sinnlos es klingen mag, aber schon minimale Aufgaben wurden von meinem Chef so gewählt, dass ich das Gefühl hatte, jemand anderes ist auf mich angewiesen. Wenn ich also eine Arbeit nicht erledigen würde, hätte das Konsequenzen für den Arbeitstag eines Kollegen. - Wertschätzung
Es ist definitiv ein komplett anderes Gefühl, das eigene Geld auszugeben. Es tut immer mehr weh, wenn man Geld ausgibt, das man nicht geschenkt bekommen hat. Man beginnt, nach zu denken, für was man sein Geld ausgibt. Muss es denn jetzt schon wieder ein unsinniges Spiel sein? Muss ich den Cocktail für 12DM noch bestellen? Kleine Fragen. Aber wichtig. Des Weiteren beginnt man, das geschenkte Geld zu schätzen. Es ist nicht mehr nur Taschengeld oder mal ein 10er von Verwandten, sondern eine willkommene Entlastung. - Stolz
So mickrig das Gehalt am Anfang war, so sehr hat man sich darüber gefreut. Und man konnte sich ohne dauerndes Genörgel der Eltern was leisten. Oder es auch mal zurücklegen. Ich weiß noch ganz genau, dass ich mir meinen Führerschein komplett vom eigenen Geld finanziert hatte. Nicht einen einzigen Penny hatte ich von meinen Eltern bekommen - was kein Vorwurf sein soll, sondern absolut gut war. - Ruhig bleiben
Wer im Einzelhandel gearbeitet hat, weiß, was ich meine. Kunden können ekelhaft und beleidigend sein. Und man muss lernen, sich gewisse Dinge gefallen zu lassen, für die man anderer Stelle gerne jemand den Fuß ins Gesicht getreten hätte oder schlichtweg ausgeflippt wäre.
Das tun, was man studiert
So gut mich der Job auch durch die Schulzeit und das erste Semester meines Studiums gebracht hatte, so sinnlos erschien er mir bald. Wie bereits oben erwähnt, war der intelligente Anspruch nicht der Größte und mit Blick auf’s Studium fragte ich mich, warum ich eigentlich nicht für das Geld bekomme, was ich während dem Studium lerne. Mir war es, ehrlich gesagt, unverständlich, dass Studenten gab, die komplett durch das Geld ihrer Eltern finanziert wurden und auch sonst keinerlei Antrieb hatten, für das Selbstwertgefühl und die praktische Erfahrung irgendetwas zu tun.
Ihr werdet es nicht glauben, aber so einfach, wie es als Student ist, kommt ihr im späteren Leben nie mehr in Firmen herein. Firmen werden euch relativ schnell wieder los, wenn ihr eure Arbeit nicht tut. Studenten kosten Firmen größtenteils nichts. Sie werden oftmals intern auch komplett anders budgetiert und es herrschen andere Bedingungen. Aus diesem Grund sind Firmen bei Studenten auch deutlich lockerer bei den Einstellungskriterien. Nutzt das aus! Verdammt noch mal!! Ich bin immer noch der Meinung, dass ein Student möglichst versuchen soll, in ein großes Unternehmen zu kommen. Das beruht natürlich auf eigenen Erfahrungen, aber ich bin damit relativ gut durch’s Studium gekommen und kann das auch nur jedem anderen empfehlen. Was ihr nach dem Studium macht, ist dann eine andere Sache.
Ich möchte erstmal die Vorteile aufzählen, die ein “fachnaher” Job mit sich bringt:
- Erfahrung
Normal kommt der wichtigste Punkt als letztes. Hier kommt er als erstes. Glaubt es mir. Die Programmierung im Firmenumfeld ist eine komplett andere als für ein Übungsblatt oder Uni-Projekt. Vieles muss schneller und pragmatischer passieren. Ihr werdet gezwungen, mit Tools zu arbeiten, die ihr privat nie nutzen würdet (möchtet) und ihr tragt mit eurem Code Verantwortung für Kollegen. Des Weiteren werdet ihr oftmals auch schlicht und einfach Frameworks/Programmiersprachen kennen lernen, die euch womöglich so noch nicht untergekommen sind (wenn doch, umso besser). Vieles, das ich im Nebenjob gelernt hatte, floss auch ohne Probleme wieder ins Studium ein, denn gerade bei praktischeren Fächern spart ihr durch eure Erfahrung sehr viel Zeit und seid oftmals “untätigen” Kommilitonen voraus. Auch Klausuraufgaben sind “machbarer”. - Geld
Meine Eltern konnten mir definitiv nicht übermäßig etwas für’s Studium geben. Ich musste Zuhause nichts abgeben, konnte soviel futtern, wie ich wollte und hatte auch sonst volle Unterstützung, aber aus finanzieller Sicht musste ich schauen, dass ich mir das Studium finanzieren konnte und darüber hinaus auch noch jegliche andere Dinge, die das Leben lebenswert machten. Gehen wir von einem Job aus, bei dem ihr 20 Stunden die Woche arbeiten könnt, so habt ihr bei einer Vergütung von 12 Euro (was ein guter Durchschnittslohn ist) mal über 900 Euro im Monat, die euch zur Verfügung stehen. Kein Betteln. Kein beschämendes “Mama, ich brauch mal Kohle” oder peinlicher Wochenend-Besuch bei Oma/Opa. - Zeitmanagement
Ihr müsst lernen, alles unter einen Hut zu bekommen. Das ist im späteren Beruf auch nichts anderes. Und wenn dann noch Family kommt, ist eh und je alles verloren. :) Dinge müssen vorab geplant werden. Zeitslots müssen gefunden werden, um zu lernen und die Aufgaben zu machen. Urlaubsphasen müssen effektiv ausgenutzt werden. Dinge müssen geschoben werden (das ist vollkommen in Ordnung). Alles, was man später eh und je braucht. - Lebenslauf
Mein alter Manager sagte mal, dass es nichts Schlimmeres für ihn gebe, als einen 1,0-Studenten, der in seinem Leben noch nie nebenher gearbeitet hat - wenn er denn durch Praktikum oder Thesis nicht dazu gezwungen wurde. Dem kann ich nur beipflichten. Viele Firmen können es sich heutzutage nicht mehr leisten, einen Mitarbeiter abzustellen, dass der Streber-Student seinen persönlichen Babysitter hat, der ihm “Tag ein, Tag aus” die Regeln des Berufslebens erklärt. Das fängt oftmals dann bei den Grundzügen an, die ich oben bei einem Schul-Nebenjob schon erwähnt hatte.
Mit welchen Tools hat der Absolvent schon gearbeitet? Welche Programmiersprachen kann er? Wie sehen seine Arbeitszeugnisse aus? Was macht er überhaupt neben dem Studium? Und so weiter. Und so weiter. Ich finde es teilweise schon peinlich, wenn ein Absolvent Pflicht-Projekte seines Studiums als “praktische Erfahrung” eintragen muss, weil er sonst nichts vorzuweisen hat. Das muss nicht sein. Es gibt genug Möglichkeiten in der nahen Umgebung. Und man muss sicherlich auch nicht immer die vollen 20 Stunden die Woche arbeiten.
Vorteile eines großen Unternehmens
Die Definition von “groß” ist immer so eine Sache. Grundsätzlich empfehle ich aber zumindest ALS STUDENT in ein Unternehmen zu gehen, bei dem es noch mehrere andere Standorte gibt. Eigentlich jedes große Unternehmen hat ein sehr intaktes Firmennetzwerk, das ihr nutzen könnt. Und genau das ist es, was die großen Unternehmen von kleinen Unternehmen unterscheidet. Bedenkt. Wenn ihr in einem solchen Unternehmen seid, dann müsst ihr euch für ein Auslandspraktikum nicht über irgendeine Personalabteilung bewerben, sondern könnt den zuständigen Manager/Chef/DevOp/Buddha einfach mal anschreiben und euch vorstellen. Kein förmliches Gelaber, sondern eine “normale” Mail, in der ihr euch vorstellt. Es gibt nur sehr wenige Fälle, wo es dann nicht doch zum Wunschpraktikum kommt. Hier aber nochmal alle Vorteile, die sich mir persönlich während der Werkstudentenzeit geboten haben:
- Vielfalt
Wie im normalen Leben auch, kann einem irgendwann die Arbeit auf den Keks gehen. Sei es, weil man Veränderung sucht, die Programmiersprache nur noch langweilt oder eben andere Gründe einen Job-Wechsel verlangen. Als Student steht euch dann die interne Job-Börse zur Verfügung. Und wie bereits oben erwähnt, ist es als Student sehr einfach, mal “irgendwo rein zu schnuppern”. Nutzt das aus. Sei es für euer Praktikum. Eure Diplomarbeit oder sonstwas. Wenn es in eurer Abteilung gut läuft, dann ist das auch super. Umso besser. Wenn es nicht gut läuft, dann wechselt und schaut euch um. Geht durch die Firma ins Ausland. Nehmt Schulungen mit. Das sind alles Dinge, die euch später sehr viel Geld kosten werden.
Neue Jobs bringen immer neue Menschen mit sich. Und neue Menschen… - Networking
Ja, ich weiß. Der Begriff hat mittlerweile auch schon Müffel-Schimmel, aber leider stimmt es. Das Wichtigste ist, die richtigen Menschen zu kennen. Oder zumindest die Möglichkeit offen zu halten, möglichst viele Menschen kennen zu lernen. Bei der Job-Suche als Absolvent sind Empfehlungen durch nichts zu ersetzen. Oder sogar Jobs von seinen Bekanntschaften angeboten zu bekommen. Nichts ist einfacher als eine Mail an die richtigen Personen zu schicken. Eine Mail an die Personalabteilung ist grundsätzlich damit verbunden, dass ihr das Postfach mit vielen, vielen, vielen anderen Menschen teilt, von denen viele, viele, viele Leute die gleichen Noten (oder bessere) haben und zumindest auf dem Papier auch mit einem besseren Lebenslauf brillieren können. Versucht das zu umgehen. Schnürt eure Kontakte. Kommt herum. Setzt euch auch als Nichtraucher mal in den Raucherraum. Macht in der Firma Sport (viele tolle Menschen habe ich beim Firmensport kennengelernt), geht mal nicht um 17 Uhr nach Hause sondern mit Kollegen noch einen trinken. Tanzt auf der Weihnachtsfeier! :) - Freiheit
Gerade in großen Unternehmen ist mal nicht so schlimm, wenn ihr in den Semesterferien zwei bis drei Wochen für euch benötigt, um für Klausuren zu lernen oder Semesterprojekte abschließen zu können. Meistens sind Abteilungen so groß, dass ihr nicht gerade Hauptverantwortlicher einer Sache werdet. Ihr habt zwar Verantwortung, aber diese Verantwortung fällt meist auf Dinge, die jetzt nicht gestern schon gemacht werden sollten.
Gott, wie soll ich das in Regelstudienzeit schaffen?
Es soll Menschen geben, die das schaffen. Ich habe es nicht geschafft. Ich habe für Bachelor + Master insgesamt zwei Semester länger benötigt als es die Regelstudienzeit erforderte. Und das ist auch vollkommen im Rahmen. Grundsätzlich kann man sagen, dass man das Grundstudium, bedingt durch die Arbeit, oftmals um ein Semester verlängern muss, denn das ist im Studium auch das Härteste und oftmals hat man dort auch nicht die flexible Wahl der Fächer, wie sie im Hauptstudium gegeben ist. Ihr müsst euch eben auch mal selbst hinterfragen, ob denn vier Stunden World of Warcraft am Abend wieder sein müssen oder ob die Studentenparty am Donnerstag-Abend wieder so exzessiv sein muss, dass man Freitags als Tatort-Leichen-Double im Bett verbringt. Zocken ist ok. Feiern ist ok. Aber eben alles in Maßen. Und es interessiert später keinen Schwanz, ob ihr der Party-King wart oder bei World of Warcraft die dickste Rüstung und das geilste Mount habt. Am Ende zählt, was bei euch im Zeugnis und was im Lebenslauf steht.
Und wenn ich jetzt doch nicht nebenher in einem Unternehmen arbeiten möchte?
Dann hast du Glück, dass du in einer Zeit wie dieser Student bist. Denn heutzutage gibt es noch zig andere Möglichkeiten, etwas neben dem Studium zu tun, dass als Entwickler wertvoll ist:
- Engagiere dich Open Source
Gib den Leuten was zurück! Du hast eine neue Vier-Gewinnt-Strategie geschrieben? Dann veröffentliche sie auf Github! - Baue eine App
Tu es einfach. Eine neue Furz-App ist von dir fertig? Man kann die Sounds jetzt sharen? Dann stell sie in einen Store. Nichts hält dich davon ab!
Und nun?
Nun kann ich dir nur empfehlen - ob Schüler oder Student, etwas zu tun. :) Natürlich ist das Geschriebene eine absolut subjektive Einschätzung, aber ich kann definitiv sagen, dass sich dadurch der Stress, nach dem Studium einen Job zu finden, sehr minimiert hat und auch weiterhin sehr viele Möglichkeiten dadurch bestünden, einen Wechsel zu veranlassen oder mal etwas Neues auszuprobieren, ohne gleich die gängigen Job-Börsen abklappern zu müssen.
Egal, was ihr tut. Ich wünsche Euch viel Glück dabei.
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